Dienstag, 18. August 2015

Panamax

Panamax von Gil D'Orey, Nuno Bizarro Sentieiro und Paulo Soledade


mesaboardgames/Heidelberger:
Panamax
Ein Spiel für 2-4 Spieler

Vorgeplänkel:

Auch nach einhundert Jahren seines Bestehens ist der Panamakanal immer noch eine der wichtigsten und beeindruckendsten Ingenieurleistungen des Modernen Zeitalters.

Der Kanal wurde 1914 eröffnet und spielte während des 1. Weltkrieges eine bedeutende Rolle für den Einsatz von Kriegsschiffen, ebenso bei später folgenden Konflikten. Heutzutage wird er hauptsächlich kommerziell genutzt. Seine wirtschaftliche Bedeutung ist enorm. Der Kanal war nicht nur für die wirtschaftliche Entwicklung dieser Region maßgebend, sondern hat die Schifffahrt weltweit entscheidend beeinflusst.

Im Zuge der Kanaleröffnung wurde die Konstruktion von Schiffsrümpfen entsprechend beeinflusst: Schiffe wurden nun in drei Kategorien unterteilt. Es gibt die Schiffe, die den Kanal problemlos gruppenweise befahren können (Feederschiffe), die Ozeanriesen, die zu groß sind, um den Kanal benutzen zu können (ULCV – Ultra Large Container Vessels, auf Deutsch einfach Containerschiffe) und die neue Kategorie, die so konstruiert ist, dass der Panamakanal auf maximale Weise ausgenutzt werden kann. Diese Schiffe werden PANAMAX Schiffe genannt.


Die Spielidee:

In Panamax führt jeder Spieler eine Speditionsfirma, die in der Colón Freihandelszone angesiedelt ist. Die Firmen nehmen Aufträge von beiden Küsten der USA an, aus China und Europa und liefern die Fracht aus, um Geld zu verdienen, Investoren anzulocken und Dividenden zu zahlen. Gleichzeitig sammeln die Spieler ihren eigenen Aktienbesitz an und versuchen so viel Geld wie möglich anzuhäufen, um mit dem größten Privatvermögen das Spiel zu gewinnen.
In diesem Spiel hat jeder Spieler sein eigenes Vermögen und volle Kontrolle über das Kapital der Firma, die er führt.

Meine Meinung zur Aufmachung:

Das Cover der Schachtel zeigt einen Logistiker und ein großes Containerschiff, welches im Hafen steht und entladen bzw. beladen werden soll. Diese Szene stellt wesentliche Elemente des Spiels dar. Denn in Panamax geht es unter anderem darum, möglichst viel Fracht auf Schiffe zu bekommen und diese von A nach B zu befördern. Des Weiteren sind viele Planungsmomente im Spiel enthalten, wofür stellvertretend der Logistiker steht. Das Cover ist somit gut gewählt und passt auch vom Stil gut zum Spiel.

Meine Meinung zum Spielmaterial:

Panamax enthält einen Spielplan, 24 Auftragskarten, 8 Anfangsauftragskarten, 5 Kapitänskarten, 5 Schauermannskarten, 9 Finanzberaterkarten, 8 Spezialschiffe (Pappmarker), 60 Münzen à 5 $, 30 münzen à 1 $, 8 Passagierplättchen, 3 Plättchen für die Direktorenprämie, 7 Darlehensplättchen, 4 Marker 50 $, jeweils einen Bewegungsmarker für die Wasser- und Schleusenbewegung, 44 Flaggenmarker (China, EU, USA Osten, USA Westen), 20 Aktienmarker (jeweils immer 5 in Spielerfarbe), 9 W6 pro Spielerfarbe, 16 weiße W6, 4 Holzquader (jeweils einer in Spielerfarbe), 4 Holzescheiben (jeweils einer in Spielerfarbe), 4 Firmentafeln (pro Spielerfarbe eine), 16 Plättchen Firmenschiffe (jeweils 4 in jeder Spielerfarbe) und ein Extrablatt mit Regel- und Bonuskartenübersicht.
Panamax: Aufbau
Die Qualität und Gestaltung der einzelnen Materialien sind gut bis sehr gut. Es ist auch gut, dass für die Schiffe nicht irgendwelche Miniaturen gewählt wurden, auf denen man evtl. die Fracht platzieren könnte. Denn so ist es einfach viel übersichtlicher, was die Ladung betrifft. Denn die Spieler können sofort erkennen, ab wann welches Schiff abfährt und wie viel Fracht eigentlich zulässig ist.

Allerdings gibt es zwei Punkte die mich bzgl. des Materials stören.

Punkt 1: Die Münzen sind in ihrer Form und Menge schlecht gewählt. Es kommt immer wieder vor, dass man die großen Münzen für 10er hält und nicht für 5er. Da wäre es besser gewesen Pappmarker zu nehmen und diese zu bedrucken. Außerdem reicht das Geld selten, wenn man in Vollbesetzung spielt. Daher bin ich mit den Münzen nicht ganz zufrieden.

Punkt 2: Es wäre schön gewesen, wenn man eine Kurzübersicht der Regeln für jeden Spieler hätte. Denn so ist es einfacher dem Spiel richtig folgen zu können. Außerdem wäre ein Glossar in der Regel von Vorteil. Es kommt nämlich häufig vor, dass man trotz Regelkenntnis, Kleinigkeiten vergisst und diese mal eben nachschlagen möchte. Da ist es nervig, wenn man die komplette Regeln erst einmal durchsuchen muss.

Ansonsten ist aber mit dem Spiel alles in Ordnung und das Material ist (bis auf die Münzen) gut gewählt.

Spielmechanik:

Hier kann der Text relativ lang werden, da das Spiel sehr viele Komponenten beinhaltet. Ich versuche an dieser Stelle es ein wenig aufzudröseln.

Beginnen wir mit dem Spielziel.
In Panamax geht es darum, seine Firma aufzubauen, große Anteile am Aktienmarkt zu erlangen und mit Frachten Geld zu verdienen. Allerdings gewinnt nicht der Spieler, der mit seiner Firma am Ende das meiste Geld gemacht hat, sondern der Spieler, der das meiste Privatvermögen hat. Das heißt, dass man in Panamax mehr oder weniger zwei Ziele hat. Die Firma gut laufen zu lassen, da man sonst nicht allzu viel Privatvermögen erhalten kann.

Wie schafft man dies nun?

Es gibt mehrere Möglichkeiten in Panamax an Geld zu kommen. Jedoch gehe ich vorher auf die Grundvoraussetzungen ein, die man zu Spielbeginn vorfindet.
Bei Beginn des Spiels, erhält jeder Teilnehmer eine Firmentafel. Hierauf kommen nun 18 $ sowie 4 Aktienplättchen der eigenen Farbe. Außerdem werden auf den blauen Bereich der Firmentafel zwei Schiffe der eigenen Farbe platziert (ein Schiff mit einem Frachtraum und eins mit drei Frachträumen). Alles, was sich auf der Firmentafel befindet, gehört der Firma und wandert niemals in Privatbereich. Das heißt also, dass der Firmenteil strikt vom Privatbereich zu trennen ist.
In dem Privatbereich wandern jeweils 1 Aktie der eigenen Spielerfarbe, 6 $, eine Finanzberaterkarte (im Vorfeld werden an jeden zwei verteilt und eine wird dann ausgewählt), sowie das Schiffsplättchen mit den zwei Frachträumen. Mit diesem Privatvermögen kann der Spieler im Laufe des Spiels Aktien erwerben. Der Preis der Aktien richtet sich nach den Positionen der Firmen innerhalb des Aktienmarktes. Es ist nur logisch, dass man auch fremde Aktien kaufen kann, da der Privatmann in dem Sinne nichts mit seiner Firma zu tun hat und nicht an die eigene Firmenaktie gebunden ist.

Kurz: Das Privatvermögen ist dazu da, Aktien zu kaufen und das Firmenvermögen wird für den Schiffsbau, für Fracht- und Lagerkosten und für das Auszahlen von Dividenden benötigt.

Nachdem jeder Spieler seine Grundausstattung erhalten hat, wird die Startreihenfolge per Zufall bestimmt und die übrigen Schiffsplättchen (die mit einem Frachtraum) werden auf die entsprechenden Startpositionen innerhalb des Kanals platziert. Nun bekommt der letzte Spieler als erstes die Wahl zwischen den einzelnen Anfangsauftragskarten. Er nimmt sie und platziert so viele Würfel seiner Farbe mit entsprechender Augenzahl auf die Container, wie abgebildet sind. Nun darf er sofort alle Würfel verfrachten. Allerdings nur auf Schiffe, die zur Verfügung stehen und jeweils nur einen Würfel auf ein Schiff. Das heißt, er kann innerhalb seines Zuges kein Schiff doppelt beladen. Was der Spieler jedoch darf, er kann jeder Zeit auch Schiffe anderer Spieler nutzen, sofern sie im entsprechenden Hafen liegen und Platz haben. Hat der Spieler also einen Auftrag der nach China gehen soll, so kann er nur Schiffe beladen, die auch im Hafen Richtung China warten. Daher sollte man immer schauen, welche Aufträge man nimmt und inwiefern diese erfüllbar sind. Denn jedes Mal am Ende der Runde kommen Lagerkosten auf die Firmen zu. Jeder Würfel, der sich am Rundenende noch auf der Auftragskarte befinden, kosten die Firma 4 $ (lilane Kästchen zeigen im Spiel die einzelnen Lagerkosten an). Sollte der Spieler seine Karte komplett abgehandelt haben, erhält er den entsprechenden Flaggenmarker und legt ihn auf seine Firmentafel.

Ungefähr so geht das dann später auch in den normalen Runden weiter. Wie, dazu komme ich jetzt...

In der Mitte des Spielplans befindet sich ein Bereich, auf dem die weißen Würfel platziert werden. Der blaue Bereich ist für die Wasser- und Schleusenbewegungen relevant. Der graue Bereich ist für die Aufträge wichtig. Widmen wir uns also zunächst wieder den Aufträgen. Wichtig ist, dass die Spieler immer nur den Würfel auf der untersten Position der jeweiligen Reihe nehmen dürfen. Sobald man den Würfel nimmt, wird ein Feld frei, auf dem die Anzahl der möglichen Frachtaktionen angegeben ist. Der Unterschied zur der Startphase liegt also darin, dass nun das Verfrachten auf Aktionen begrenzt ist. Alles andere bleibt gleich.
Eine Besonderheit gibt es jedoch noch. Man kann die Auftragskarten (nicht die Startaufträge) umdrehen und die Rückseite verwenden. Dafür gibt es dann später für das Erfüllen zwar keinen Flaggenmarker, aber man wird seine Würfel leichter los, da man überall die Würfel platzieren kann. Außerdem kann man evtl. den Zug nutzen, welcher für die Spielerreihenfolge nötig ist.

Nun zum blauen Bereich. Ähnlich wie im grauen Bereich, wird unter den Würfeln angegeben, wie viele Aktionen einem zustehen. Je nach Reihe stehen dem Spieler immer 1 bis 3 Schleusenbewegungen zur Verfügung. Je nach Spalte können es 1 bis 3 Wasserbewegungen sein.

Wie funktionieren die Bewegungen?

Je nach Symbol vor bzw. nach den einzelnen Wasserbereichen, benötigt man eine Wasser- oder Schleusenbewegung. Schlau ist es, wenn man innerhalb der Bewegungsphasen Gruppen bildet. So kann man mit wenig Bewegungsaktionen viele Schiffe verschieben. Man darf jedes Schiff bewegen, sofern die Fracht dies erlaubt (manche Schiffe starten erst, wenn sie ein gewisses Gewicht erreicht haben). Die Militärschiffe können immer bewegt werden und bringen Münzen für das PRIVATvermögen. Einer der wichtigsten Punkte in Panamax ist das Schiffeschubsen. Sollte sich im Schleusenbereich B eine Frachteinheit von einer Größe 4 befinden, so ist dieser Bereich voll und kein weiterer Frachtraum in Form eines Schiffes würde darin Platz finden. Aus dem Schleusenbereich A möchte jetzt aber trotzdem ein Schiff nach B fahren, so werden alle vor A liegenden Schiffe nach C verschoben. Und auch die in C befindlichen Schiffe werden einen Bereich weiter verschoben. In großen Wasserbereichen teilen sich die Gruppen dann wieder und können neu formatiert werden.

Die Geschichte mit dem Verladen der Fracht und das Schiffeschubsen bzw. -bewegen sind mit die wichtigsten Punkte bei Panamax.

Weitere Möglichkeiten, die es im Spiel gibt:
  • Kauf von Aktien
    Die Spieler können können fremde oder eigene Aktien kaufen und so die Position der Firmen im Aktienmarkt erhöhen. Das Geld, welches der Privatmann ausgibt, geht direkt an die entsprechende Firma.
  • Lagerkosten zahlen
    Am Ende einer Spielrunde muss jede Firma die entsprechenden Lagerkosten aufbringen und an die Bank zahlen. Sollte es ihr nicht möglich sein, muss man mit seinem Privatvermögen haften. Sollte das Geld immer noch nicht reichen, kann man ein Darlehen aufnehmen.
  • Dividenden auszahlen
    Die Firma zahlt die Dividenden aus. Allerdings nur, wenn sie auch wirklich jeden Besitzer der Aktien auszahlen kann. Geht dies nicht, bekommt niemand etwas. (Dafür werden auch keine Darlehen aufgenommen)
  • Eisenbahntabelle
    Hier wird die Startreihenfolge bestimmt und Flaggenmarker verteilt.
  • Ladung erreicht Zielhafen
    Die Augenzahl der Würfel bestimmt die Menge an Geld, welches in das Firmenvermögen fließt. Der Besitzer des Schiffes erhält eine Bonuskarte, je nach Größe des Schiffes. Kapitänskarten für 1er Schiffe, Schauermannkarten für 2er Schiffe, Finanzberaterkarten für 3er Schiffe. Man kann von den erst genannten jeweils nur eine haben, sollte man eine zweite bekommen, oder überhaupt keine nehmen wollen, kann man sich den Preis ins Privatvermögen auszahlen lassen.
  • Passagierplättchen
    Diese erhält man, wenn eigene Würfel auf einem Passagierschiff platziert sind und dieses den Zielhafen erreicht. Diese bringen im Spiel einige Vorteile.
  • San Juan Prospector
    Sollte dieses Schiff den Zielhafen erreichen, wird jeder Würfelwert auf ihm verdoppelt ausgezahlt.
  • Ende des Spiels
    Finanzberaterkarten kommen zum Einsatz, jeder Spieler verkauft seine Aktien für den aktuellen Preis an die Bank, Darlehen müssen zurück gezahlt werden und Direktorenprämien werden gewertet.
Dies sind die groben Spielmechaniken von Panamax. Im Grunde sind da noch viele Kleinigkeiten und Einzelheiten, aber um einen Überblick zu bekommen, sollte es an dieser Stelle genügen.


Meine Meinung zum Spiel:

Ich finde Panamax wahnsinnig gut. Mir gefällt die Mechanik mit dem Schiffeschubsen, die Aktiengeschichte gefällt mir gut und auch das Spielziel als solches ist super. Denn man unterstützt manchmal andere Firmen und hat am Ende trotzdem gewonnen, weil man einfach auf das bessere Pferd gesetzt hat. Kritikpunkte sind die Münzen, die Übersichten sowie die Übersichtlichkeit der Regel. Aber das macht das Spiel als solches nicht kaputt und da ich sehr begeistert von Panamax bin, werde ich hier keine Abzüge machen. Ich zweifel übrigens daran, dass man das Spiel wirklich zu zweit spielen kann, da man einfach weniger Schiffe im Spiel hat. So bleibt das Schubsen vielleicht eher aus. Aber dazu kann ich nichts sagen, da ich es selbst erst in 3er und 4er Runden gespielt habe.

So, fertig... ist doch sehr lang...

Viel Spaß und lasst die Schiffe heile :P








Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen